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Hier bin ich zu Hause, am Rande des Marchfelds. Eine wunderbare Landschaft im Osten Österreichs. Eine der Kornkammern unseres Landes. Wir bräuchten nur ein paar richtige Berge und ein cooles Meer, damit das alles interessanter wird. Moment mal ... eigentlich haben wir beides! Im Herbst türmen sich die Rüben auf den Lagerplätzen zu ganzen Bergen, und wir haben ein riesiges Meer an Himmel, der sich weithin über die Felder spannt und die Gedanken hoch fliegen lässt. Der stetige Wind verträgt diese Gedanken anschließend in die Welt hinaus. Wo Gedanken ja auch hingehören. 

Das Marchfeld erschließt sich dem eiligen Sensationstouristen nicht, man muss schon abbiegen in die kleinen Dörfer und am Ende eines Dorfes zwischen die Felder fahren. Wer sich schon einmal mitten im Marchfeld unter die vorbeiziehenden Wolken gestellt hat, der kann fühlen, wie der Kopf frei wird, und die Gedanken entfliehen.

Kaum verschwindet Wien im Rückspiegel, entfaltet die Umgebung ihren ländlichen Charme. Die Ortstafeln der Dörfer winken einander zu, überall kann man große Ackerflächen sehen, halboffene Scheunentore gewähren Einblick in Lagerhallen, und Traktoren mit Anhängern voller Gemüse bremsen den Verkehr auf den Landstraßen. An kleinen Ständen am Straßenrand werden Erdbeeren, Kirschen, Marillen, Spargel, Kürbisse, Kartoffel, und andere regionale Köstlichkeiten verkauft, in jedem zweiten Ort gibt es einen Reitstall, und über all dem weitet sich dieser endloser Himmel. 

 

Manchmal strahlt er in einem unglaublichen Blau und die Wolken gleichen schwebenden weißen Wattebauschen, dann wieder legt sich ein schweres Grau über die Ackerfurchen, und dunkle Wolken drängen über die sich biegenden Ähren des Getreides heran. Dann treibt der Wind unsere Windkrafträder zu Höchstleistungen an.

In den Wintermonaten hält das Marchfeld einen erholsamen Schlaf. Die Ölpumpen quietschen ganzjährig ihr Lied, und in der kalten Luft rauschen die Windräder, doch die Ebenen scheinen verlassen. Nur wenn Schnee liegt, sieht man Rehe als dunkle Flecken auf den Äckern stehen. Krähen beherrschen die Baumkronen und Raubvögel warten auf unvorsichtige Feldmäuse. Manchmal trabt ein Reiter über einen Feldweg und meistens außerhalb unseres Blickwinkels suchen Hase und Fuchs - bevor sie sich gute Nacht sagen - ihre täglichen Angelegenheiten zu regeln.

 

Wenn dann im März die ersten Störche in Marchegg eintreffen, und der erste warme Frühlingswind die Wiesen aufweckt, beginnt alles wieder von Neuem...